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Massenanfall von Verletzten bei Flugschau 2010

SAN EL / Flugplatz Lillinghof, MANV nach Flugunfall / 5 Sep 2010
Autor: Fabio Viktorin

 

 

Am 5.September 2010 ereignete sich am Flugplatz des Segelfugclubs Lauf e.V. in Lillinghof, ein folgenschwerer Flugunfall, bei dem eine Zuschauerin getötet und weitere 38 Menschen zum Teil schwer verletzt wurden. Diese seit Jahrzehnten etablierte Festveranstaltung mit Kunstflugschau, welche weit über die Landkreisgrenzen hinaus bekannt ist, zieht flugbegeisterte Zuschauer aus dem ganzen Ballungsraum an. In der Folge dieses schweren Unglücks kam es zu einem Massenanfall von Verletzten (MANV) der die Kräfte des BRK Kreisverbandes Nürnberger Land, sowie darüber hinaus weitere Rettungs- und Sanitätskräfte des Großraumes Nürnberg/Fürth/Erlangen bis auf das äußerte forderte.

 

Im Rahmen der alljährlichen Flugschau am Lillinghof bei Freiröttenbach, einem Ortsteil der 8000 Einwohner zählenden Gemeinde Schnaittach, die im nördlichen Teil des Landkreises Nürnberger Land gelegen ist, verunfallte kurz vor 15 Uhr ein startender Doppeldecker. Während der Startphase dreier Flugzeuge, die gleichzeitig zu einem Formationsflug abheben wollten, kam es aus bislang ungeklärter Ursache zu Komplikationen. Nach ersten Erkenntnissen hatte eine der Maschinen, eine so genannte Tiger Moth, Probleme in der finalen Startphase, sodass diese letztendlich außer Kontrolle geriet und seitlich nach rechts in die, am Flugfeldrand stehende, Zuschauermenge abdriftete. Zum Zeitpunkt des Unfalls hielten sich laut Veranstalter geschätzte 3000-3500 Besucher im gesamten Bereich des Fluggeländes auf.

 

Der Unfall wurde durch Einsatzkräfte der BRK Bereitschaft Schnaittach, darunter auch ein Notarzt, die mit zwei Bereitschaftsfahrzeugen (RTW und Gelände KTW) zur Sanitätsabstellung am Flugtag vor Ort waren beobachtet. Sie erreichten ca. eine halbe Minute später den Unglücksort und begannen sofort mit der ersten Sichtung und Behandlung der Verletzten. Umgehend wurde durch diese die Rettungsleitstelle Nürnberg per Funk verständigt und anschließend um 14.49 Uhr eine erste grobe Lagemeldung abgesetzt. Aufgrund dieses Meldebildes von anfänglich mehreren getöteten Personen, mehreren Schwerverletzten und einer unklaren Anzahl an Leichtverletzten wurde um 14:51 der diensthabende Einsatzleiter Rettungsdienst/OrgL des ASB Lauf alarmiert. Ebenso die Sanitätseinsatzleitung, die UG San EL und sämtliche freie, verfügbare Rettungsmittel der öffentlich rechtlichen Vorhaltung im größeren Umkreis von ca. 30 km. In einem zweiten Schritt wurden in Absprache mit dem auf Anfahrt befindlichen OrgL alle Schnelleinsatzgruppen und Unterstützungsgruppen Rettungsdienst im Landkreis alarmiert. Zusätzlich auf Anfahrt befanden sich noch zwei weitere OrgL sowie zwei Einsatzleiter Rettungsdienst des BRK KV Nürnberger Land die letztendlich alle in der Funktion als Abschnittleiter vor Ort fungierten. Ersteintreffende Führungskraft vor Ort war ein ELRD Kollege des BRK welcher sich aufgrund der Wohnortnähe in einer Entfernung von nur 10 Minuten Fahrtstrecke zum Unglücksort befand. Dieser veranlasste bei Eintreffen sofort eine Räumung der Zufahrtstrasse zum Gelände bzw. Sperrung dieser für abfahrende Fahrzeuge der Besucher durch die vor Ort befindlichen Feuerwehrkräfte insofern dies nicht bereits geschehen war. Anschließend nahm er umgehend Kontakt mit den Einsatzkräften vor Ort auf und verschaffte sich einen ersten Überblick über die Lage:

 

Der historische Doppeldecker aus den 1940 Jahren der englischen Firma de Havilland war mit gebrochenem Fahrwerk leicht nach vorne gekippt in der Nähe des Towers und der zwei Hangars zu liegen gekommen. Um das Flugzeug herum befand sich ein Großteil der Verletzten. Nach Rücksprache mit den ersteingetroffenen Einsatzkräften war zu diesem frühen Zeitpunkt von einer gesicherten toten Person, drei weiteren Schwer- und weiteren fünf Mittelschwerverletzten sowie 15 Leichtverletzten auszugehen. Diese Informationen wurde der Leitstelle in einer Lagemeldung mitgeteilt. Ebenso dem zwischenzeitlich eingetroffenen OrgL. Zugleich wurden zwei erste Einsatzabschnitte gebildet. Der ELRD übernahm die Errichtung und Leitung des Krankenwagen-Halteplatzes und damit die Aufstellung der nun in kurzen Abständen eintreffenden Fahrzeuge. Aufgrund der örtlichen Gegebenheiten konnten die Fahrzeuge in direkter Nähe zum Unglücksort auf dem gesperrten Flugfeld in Schrägparkposition aufgestellt werden. Diese wurden dort zunächst registriert und die Besatzungen anschließend dem OrgL, später dem Abschnittsleiter Behandlungsplatz in den zweiten Einsatzabschnitt (Behandlung) übergeben. Dieser übernahm die Zuweisung der einzelnen Patienten zu den Besatzungen. Am Behandlungsplatz erfolgte ebenso die Sichtung und Triage sowie die weitere Versorgung. Gleichzeitig wurde durch den OrgL die mittlerweile nachrückenden Feuerwehren angewiesen bei der Suche nach weiteren Verletzten in den umherstehenden Zuschauermenge unterstützend mit einzugreifen und Verletzte anschließend ebenfalls zur Verletzenablage beim Flugzeug zu bringen. Da sich zunächst viele leichter verletzte Patienten in Panik von der Unfallstelle entfernt hatten waren diese mit den Unverletzten aus dem Publikum vermischt. Aufgrund der oben genannten Maßnahme konnten diese aber rasch der Triage und anschließender Versorgung zugeführt werden, was zur Folge hatte, dass die Anzahl der Leichtverletzten sprunghaft anstieg. Zwischenzeitlich trafen bereits die ersten Rettungshubschrauber, am auf der gegenüberliegenden Seite der Landebahn gelegenen Hubschrauberlandeplatz ein. Sofort erfolgte nach der Transportvorbereitung der Ausflug der in Sichtungskategorie II (gelb) eingestuften Patienten. Bis zum Ende des Einsatzes wurden durch die fünf im Einsatz befindlichen RTH’s sechs Patienten in die zugeteilten Schwerpunktkliniken geflogen. Der weiteste Flug hierbei führte ins Klinikum nach Ingolstadt.

 

Für sämtliche bodengebundenen Rettungsmittel erfolgte zunächst ein Transportstopp. Bereits in einer frühen Phase wurde durch den zuständigen Abschnittsleiter am Kopfende des Krankenwagenhalteplatzes ein Platz der Führung definiert bzw. errichtet. Dort stellte sich nach Eintreffen die UG-ÖEL sowie die UG San-EL und später die Fachgruppe Führung und Kommunikation (FGr FK) des THW OV Lauf in einer „Wagenburg“ auf. Zwischenzeitlich erfolgte durch die UG San-EL die Abklärung der Aufnahmekapazitäten der einzelnen Krankenhäuser. Als zu einem späteren Zeitpunkt genügend Fahrzeuge zum Abtransport bereitstanden konnten die Patienten auf die einzelnen Fahrzeuge aufgeteilt werden. Nach erfolgter Verteilung der Patienten auf die einzelnen Rettungsmittel wurden diese zur Krankenhauszuweisung und Abschlussregistrierung auf der Landebahn aufgestellt. Hierbei wurden die entsprechenden Abschnitte der Verletztenanhängekarten eingesammelt und die definitive Krankenhauszuweisung anhand der Aufnahmekapazitäten durchgeführt. Nach abgeschlossener Registrierung erfolgte der Transport, teils im Konvoi unter Zuhilfenahme der Motorradstreifen als Lotsenfahrzeuge, teils fuhren ortskundige Besatzungen einzeln in die entsprechenden Kliniken.

 

Da im weiteren Verlauf des Einsatzes immer wieder Anfragen von Angehörigen über den Verbleib möglicher Verletzter gestellt wurden, sowie aufgrund der dramatischen Szenen immer mehr physisch unverletzt gebliebene Besucher aufgrund der psychischen Belastung einer Betreuung bedurften, wurde in einem der zwei Hangars eine Betreuungsstelle für psychisch Betroffene errichtet. Dort kümmerten sich die alarmierten Teams der Notfallseelsorge um die Hilfeersuchenden. Die Koordination erfolgte zum einen über den Einsatzleiter der Notfallseelsorge aus Nürnberg, zum anderen wurde ein Abschnittsleiter des BRK dort mit eingesetzt. Im Verlauf des Einsatzes wurden auch immer wieder durch Personen Anfragen an die Einsatzkräfte über den Verbleib etwaiger verletzter Angehöriger gestellt. Daher wurde nach Erfassung und anschließender Verarbeitung aller relevanten Daten durch die UG San EL eine Auskunftsstelle für Angehörige im Anhänger der Fachgruppe Führung und Kommunikation eingerichtet. Dafür wurde durch das THW eine Telefonzentrale implementiert. Der vorhandene Festnetzanschluss des Towers wurde durch das THW abgegriffen und in den Anhänger umgeleitet. Dort stand ein Geistlicher der Notfallseelsorge für die Fragen der Angehörigen bereit, zu dessen Unterstützung und Übersetzung der erfassten Behandlungsdaten wurde bei Bedarf ein Mitarbeiter der UG San EL eingesetzt. Die Telefonnummer wurde auch in der anschließenden Pressekonferenz den Pressevertretern mitgeteilt, welche nach Abbau der Infrastruktur an der Einsatzstelle auf eine Festnetzleitung der Notfallseelsorge Nürnberg umgeleitet wurde. Die Verpflegung der eingesetzten Kräfte mit Getränken und Essen erfolgte durch die SEG Betreuung des BRK Fürth. Insgesamt wurden 39 Patienten gesichtet, registriert und soweit erforderlich behandelt bzw. betreut. Um 17.20 Uhr waren davon 22 Patienten, die einer weiterführenden Behandlung im Krankenhaus bedurften, abtransportiert.

Eingesetzte Kräfte des RD, SEG, UG-RD:

RTW 24
KTW 12
NEF 3
MTW 23
RTH; ITH ;SAR 5
Einsatzkrad 4

Notfallseelsorge: 12 EK

Fahrzeuge gesamt: 79
Einsatzkräfte Gesamt: 174 EK

Der einzelnen beteiligten Hilfsorganisationen:

BRK KV Nürnberger Land
BRK KV Nürnberg Stadt
BRK KV Fürth
BRK Bergwacht Lauf
BRK Bergwacht Nürnberg
BRK Wasserwacht Nürnberger Land
BRK Motorradstreife Nürnberg (Land) und Erlangen
ASB RV Nürnberger Land
ASB RV Jura
ASB KV Nürnberg-Fürth
ASB RV Fränkische Schweiz
ASB RV Erlangen
JUH OV Nürnberg
MHD RV Nürnberg
Bundeswehr
DRF Luftrettung
ADAC Luftrettung
HDM Luftrettung